Whiskey-Know-How

Wer hat den Whiskey erfunden?

Juli 27, 2022
Comichafter Ire, Schotte und Wikinger stehen auf einem Whiskeyfass

Drei Nationen behaupten von sich den Whiskey erfunden zu haben. Doch welche ihrer 3 Theorien klingt am wahrscheinlichsten? Man geht heute stark davon aus, dass die Destillation von den Mesopotamiern vor 5500 Jahren erfunden wurde. Mesopotamien war ein Gebiet, dass sich hauptsächlich über den heutigen Irak und Syrien erstreckte, entlang der zwei Ströme Euphrat und Tigris. Die Mesopotamier destillierten ätherische Öle zu Duftstoffen. Ab etwa 500 v. Chr. benutzten Seefahrer dieses Verfahren, um aus Meerwasser Trinkwasser herzustellen. Konzentrierten Alkohol zu gewinnen gelang zum ersten Mal um 900 n. Chr. als der persische Arzt, Naturwissenschaftler, Philosoph, Alchimist und islamische Religionskritiker Rhazes Wein destillierte.

Irische, Schottische und Schwedische Whiskeybrenner behaupten ihre Mönche und Reisenden hätten die Kunst des Destillierens aus dem nahen Osten in die Heimat gebracht. Doch wer war tatsächlich der Erste?

Schweden

Lars Lindberger, der für Internationales Marketing beim schwedischen Mackmyra verantwortlich ist, behauptet, der Wikinger Orm habe die Destillation vor über tausend Jahren auf seinen Reisen nach Miklagård (Konstantinopel) erlernt und habe den ersten Whiskey in Schweden hergestellt. Haben die Wikinger also zwischen der Entdeckung Amerikas und ihren Raubzügen mal eben den Whiskey erfunden? Uns bei Whiskey Valhalla gefällt diese Vorstellung auf jeden Fall.

Schottland und Irland

Man kann heute nicht mit Gewissheit sagen, ob Schottland oder Irland das Ursprungsland des Whiskeys ist. Es gibt sehr viele Theorien darüber auf welche Weise der Whiskey entstanden sein soll. So haben z.B. sowohl irische als auch schottische Bauern vergorenes Getreide aus ihren Ernteüberschüssen gebrannt. Ist so der Whiskey entstanden?

Es gibt einen Hinweis, der den Iren einen Vorteil verschafft. Laut dem römischen Historiker Tacitus seien die Häfen und Buchten Hibernias (Irlands) bekannter gewesen als die Britanniens. Wenn Handelsrouten nach Irland bei den Römern beliebter waren, dann ist es wahrscheinlicher, dass das Wissen über die Destillation zu erst nach Irland gelangt ist. 

Mit dem Aufkommen des Christentums stellten Mönche in Klöstern Wein, Bier und auch Hochprozentiges her. Der Lateinische Begriff aqua vitae (Wasser des Lebens) wurde für viele alkoholische Destillate verwendet. Versetzt mit Kräutern und Pflanzenstoffen wurde aqua vitae in erster Linie als Arzneimittel eingesetzt. 

Mit der Zeit wurde aus dem lateinischen aqua vitae das gälisch-irische uisce beatha (Versucht erst gar nicht es auszusprechen), der Ursprung unseres heutigen Wortes Whiskey. Es liegt nahe, dass irische Missionare uisce beatha nach Schottland mitbrachten, als sie im 6. Jahrhundert auf Islay und an der schottischen Westküste landeten. 

Zufällige Fassreifung und der moderne Whiskey

Das bisher beschriebene uisce beatha hat mehr mit einem Kräuterschnaps gemein, als mit dem, was wir heute unter Whiskey verstehen. Was war also das letzte Puzzelstück, das die Lücke zu unserem modernen Lieblingsgetränk schloss?

Die Mönche in den Klöstern bewahrten ihre Spirituosen in Tonkrügen auf, wodurch der Inhalt schnell verbraucht werden musste. Außerdem waren diese zerbrechlichen und schlecht stapelbaren Krüge absolut ungeeignet für den Transport. Da Eichenfässer bereits ein ideales Mittel zur Lagerung und für den Transport darstellten, begann man ab dem 12. Jahrhundert auch uisce beatha in ihnen zu lagern. Den mittelalterlichen Brennern fiel auf, dass je länger der Alkohol im Eichenfass verweilte, umso besser wurde sein Geschmack. Sie entdeckten per Zufall die Fassreifung und der Whiskey war geboren. 

Fassgereifter Whiskey erreicht die breite Masse

Allerdings sollte man anmerken, dass der größte Anteil aller Brände, Whiskey eingeschlossen, bis zum 18. Jahrhundert ungereift getrunken wurde. Wenn man bedenkt, dass in den Fässern vorher z.B. Fisch gelagert wurde, dann kann man es den Menschen nicht verübeln, wenn sie es bevorzugten den Whiskey direkt zu trinken. Die in französischen Weinfässern gereiften Whiskeys blieben meist nur den Wohlhabenden vorbehalten. 

Dies begann sich zu ändern, als Mitte des 19. Jahrhunderts die große Reblausplage die französische Weinindustrie lahmlegte und daraufhin sämtliche europäische Cognacbestände zur Neige gingen. Die Aristokratie verlor ihren Lieblingsbranntwein und suchte nach Alternativen. Spanischer Sherry erwies sich als einer der Favoriten. Als sich die leeren Sherryfässer anfingen zu stapeln, kauften schottische Brenner diese günstige Ware auf, um darin ihren eigenen Whisky zu lagern. Es war eine massive Verbesserung zu den Fässern, die sie davor benutzt haben. 

Je länger der schottische Whisky in diesen Fässern lagerte, desto begehrter wurde er. Zum Ende des 19. Jahrhunderts verdrängte Scotch aus Sherryfässern den Sherry selbst als Spirituose der Wahl der gut betuchten Europäer. 

Fazit

Abschließend möchte ich Cameron Syme, den Geschäftsführer der australischen „The Great Southern Distilling Company“, zitieren: „Die Kunst der Destillation kam vermutlich aus dem nahen Osten, aber weiß jemand wirklich genau, wer den Whisky erfunden hat? Ich bin einfach nur froh, dass es jemand geschafft hat.“

Dem können Dennis und ich nur zustimmen!

Sláinte

Dan und Dennis

Highland Scotch Whisky

Highland Park 12 – Bei Thors Hammer!

April 25, 2021
Whiskey-Review: Highland Park 12

Die einfallenden Sonnenstrahlen des anbrechenden Morgens legen sich samtweich wärmend auf die raue, vom Flusswind gekühlte Haut. Simple, mit Strohdächern gezimmerte kleine Holzhäuser schmiegen sich nahtlos in saftig grüne Hügel, sanfter Rauch entschwebt den glühenden Kohlen rauchiger Feuerstellen. Die Krieger und Schildmaiden, wettergegerbt, in lederne Rüstung gekleidet, die stählernen Äxte geschultert, verlassen geübt das in dem hellblauen Wasser liegende Langschiff. Lachend wird die geraubte Beute bestehend aus Silber, Edelsteinen und goldenen Kerzenleuchtern, in die ausladende, mit aufwendigen Holzschnitzereien und Rundschilden ausgeschmückte Langhalle des Jarls getragen. So Skadi ihnen beistand waren die Jäger so erfolgreich wie sie, auf dass zu ehren des Allvaters, ihres Siegeszugs und dem ruhmreichen Kampf ein Festmahl bereitet werden kann. Ein Mahl, den Tafeln der Asen ebenbürtig. Es würde gelacht, gesungen, würzig gebratenes Wildschwein verspeist und güldener Met verkostet werden. Den Göttern, dem Leben und den Gefallenen zu ehren. Skal! 

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber meine Assoziationsketten bezüglich plündernder Wikinger und ihrer archaischen Mythologie beginnen weder bei Sexiest Man Alive Chris Hemsworth in seiner Rolle als Donnergott Thor noch bei den stahlblauen Augen Travis Fimmels als Ragnar Lothbrok. Von der bunten, sich in ihrer Queststruktur häufiger wiederholend als tägliche Coronanews, aufgebauten Spielwelt der aktuellsten Assassins Creed Monstrosität völlig abgesehen.

Ich denke an Ragnarök, das Ende der Welt. An den finalen Kampf der Götter gegen das Geschlecht der Riesen, wenn der monströse Wolf Fenrir den Allvater Odin selbst verschlingt, Thor im Gifte der weltenumspannenden Midgardschlange verendet und der Totendrache Nidhöggr das Ende und den Neuanfang der Welt einleitet. Ich denke an eine unbarmherzige Krieger- und Raubkultur, in der Ehre, Mut und Trinkfestigkeit die Dreifaltigkeit der Männlich- und Fraulichkeit symbolisierten. 

Als sich also der Highland Park 12, gefangen in seiner runenanmutigen Glasflasche, vor uns befand, erwarteten Dan und ich einen ebenso unbarmherzigen Whisky, der uns gleichermaßen Furcht und Respekt lehren würde. 

Nun, wir wurden (positiv) enttäuscht. 

Geruch:

Der Highland Park 12 riecht frisch, nach getrockneten Früchten, die nach einem langen Waldspaziergang duftend in einem Holzkorb gesammelt auf den Verzehr warten. Nach frischem aus Bienenwaben gewonnenen Honig, nach nassem, taufrischen Heu. Wie ein Fruchtkompott, das in einem Bottich darauf wartet verarbeitet zu werden. Nach rot-gelben Äpfeln mit bräunlichen Druckstellen und flüchtigem Feuerstellenrauch. 

Geschmack: 

Als dominanteste Geschmacksnote kristallisierte sich, aus den unzähligen Fruchteindrücken, saftige Birne heraus. Grüne, süße Birne die auf einem hellen Holztablett serviert wird. Der Highland Park 12 besticht durch Milde, durch dezente Zitrusnoten, feinen Holznoten und einem Hauch von Bacon. 

Abgang:

In seinen verklingenden Eindrücken vermischt sich eine fruchtige Säure, flambierte, geschmorte Birne mit dezentem Torfrauch. Der Highland Park 12 verbleibt nicht lange im Mund, verklingt schnell und sanft, so dass einzig die Erinnerungen an einen gut gefüllten, fruchtigen Obstkorb verbleiben.

Fazit:

Ich will ja wirklich nicht meckern, aber Design und tatsächlicher Geschmack dieses Highland Whiskys stehen sich ja mal so diametral gegenüber, wie die CDU Parteibasis und der gewählte Kanzlerkandidat für das Superwahljahr 2021. (No front Würfelarmin) Marketing at it´s best. Gerade als toxische, uns auf unsere Maskulinität reduzierenden Männer war es für uns ein MUSS einen Whisky der Highland Park Reihe zu probieren. Whisky, nordische Thematik, ihr seht die Verknüpfung, wir heißen ja nicht umsonst WHISKEY VALHALLA und dann das. Keinerlei Härte, keinerlei Kontrollverlust der Gesichtsmuskulatur. Pures Vergnügen, fruchtige Frische. Da hat Trickster Loki wahrlich alle Register gezogen, fast dachten wir erneut einen Rozelieures verköstigt zu haben.

Für jeden Whiskyenthusiasten, ich meine, sowohl für die Bewohner Asgards als auch Jotunheims, können wir somit eine uneingeschränkte Kauf- und Probierempfehlung aussprechen. Als Highlandwhisky besitzt er Anklänge seiner schottischen Natur, ohne jedoch in das Extreme eines Islays abzudriften. Er schmeckt fruchtig, mild und ist insgesamt ein Genuss, den man am besten zu flambiertem Lachs oder Stockfisch genießt, während man den Sagen der Edda lauscht. 

Möge Odin mit euch sein Krieger, beste Grüße aus dem Lockdown

Dennis & Dan

Whiskey-Know-How

Was ist der Unterschied zwischen Whisky und Whiskey?

April 8, 2021
Unterschied zwischen Whisky und Whiskey

Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Bevor wir uns die Antwort detaillierter anschauen, lässt sich grundsätzlich sagen: 

Die Iren sind Ende des 18. Jahrhunderts vermehrt zur Schreibweise mit e (Whiskey) übergegangen, um sich stärker vom schottischen „Whisky“ (ohne e) abzugrenzen. In den USA hat man hauptsächlich die irische Schreibart mit e übernommen, aufgrund des hohen irischen Bevölkerungsanteils. Kanada, Australien, Indien, Japan und Deutschland orientieren sich an Schottland und schreiben „Whisky“ ohne e.

Doch schauen wir uns das Ganze einmal genauer an.

Whisky vs Whiskey – Die Hintergründe

Im 19. Jahrhundert wurden beide Schreibweisen sowohl in Irland als auch in Schottland verwendet. Mit dem „e“ wurde um sich geworfen, als gäbe es kein Morgen.

Zwei Beispiele:

In dem im Jahre 1879 von den größten irischen Whiskeyproduzenten herausgebrachten Buch „Truths about Whisky“ wird durchgehend die Schreibweise ohne e verwendet. 

Wenigstens waren die Schotten einheitlicher, richtig? Nicht ganz. In einer königlichen Kommissionssitzung 1908 zum Thema „Enquiry into whiskey and other potable spirits“ wird konsequent die Schreibweise mit e verwendet. 

Zu dieser Zeit beherrschte irischer Whiskey den Markt. Whiskey aus Dublin war sogar so begehrt, dass Händler dafür einen 25% höheren Preis verlangen konnten.

Durch das Aufkommen der Coffey Still, die den Schotten eine kontinuierliche und kostengünstige Destillation ermöglichte, wurde schottischer Whisky zu einer immer ernster zu nehmenden Konkurrenz. Die Iren destillierten ihre Maische portionsweise in kupfernen Brennblasen. Dieses Verfahren war wirtschaftlich teurer, doch blieben mehr Geschmacks- und Aromastoffe dabei erhalten, weswegen sich die irischen Destillerien weigerten die Coffey Still einzuführen. Einige gingen sogar so weit und forderten das Verbot Produkte aus Coffey Stills als Whisk(e)y bezeichnen zu dürfen. 

Irische Brennereien begannen in den 1870er Jahren häufiger die Schreibweise mit e zu benutzen, um sich stärker vom Markt flutenden schottischen Whisky abzugrenzen. Eine historische Marketingaktion also.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden beide Schreibweisen standardisiert. Die Schotten verabschiedeten sich vom e, während die Iren es behielten.

Wie wird Whisk(e)y außerhalb von Irland und Schottland geschrieben?

In den USA hat sich ebenfalls die Schreibweise mit e durchgesetzt. Die gängigste Meinung ist, dass die großen Migrationswellen aus Irland dafür verantwortlich waren. Doch es gibt ein Paar Destillerien, die ihren Whisky ohne e schreiben. Eine davon ist Maker’s Mark, die bis heute von der Gründerfamilie Samuels geführt wird, auch wenn die Brennerei inzwischen Teil des Beam-Imperiums ist. Die Familie Samuels ehrt ihre schottischen Vorfahren, indem sie ihre Schreibweise verwendet. 

In Japan schreibt man „Whisky“, da der Vater des japanischen Whiskys, Masataka Taketsuru, während seines Chemiestudiums in Schottland an einigen Brennereien Praktika absolvierte.

Die Kanadier, Australier und Inder haben den schottischen Ausdruck, wahrscheinlich aufgrund der gemeinsamen Geschichte mit der britischen Krone, übernommen. 

In Deutschland sucht man auch die Nähe zum Scotch und verwendet ebenfalls „Whisky“.

Warum benutzen wir bei Whiskey Valhalla die Schreibweise mit e?

Es sei vorweggesagt, dass wir große Fans von schottischem Whisky sind, der in seiner Vielfalt und geschmacklichen Tiefe den anderen Whiskys oft überlegen ist. Trotzdem hat irischer und amerikanischer Whiskey einen besonderen Platz in unseren mit Alkohol getränkten Herzen. 

Wir hatten das Gefühl, dass wir mit der Schreibweise ohne e den amerikanischen und irischen Whiskey aktiv ausgeschlossen hätten. „Whisky“ ist für uns das Äquivalent zum generischen Maskulinum. So wie sich radikale Feministen von diesem bedroht und ausgegrenzt fühlen, so sehen wir den Ami und den Iren durch die Verwendung von „Whisky“ diskriminiert. Kleiner Scherz am Rande, aber im Prinzip ist es so.

Tolerante Grüße

Dan und Dennis

American Whiskey Bourbon

Knob Creek Small Batch – eine Bourbon Katharsis

März 5, 2021
Whiskey-Review: Knob Creek Small Batch

Unsere Einstellungen bezüglich Bourbons spiegeln verstörend akkurat die derzeitigen amerikanischen Verhältnisse wieder. Gespalten, desillusioniert, sehnsuchtsvoll einer immer ferner erscheinenden Hoffnung und vergangener Nostalgien nachschmachtend. Na ja, was willste machen. So wie die Demokraten wieder an der Macht sind und endlich wieder im Namen des Friedens der ferne Osten bombardiert werden kann (täglich grüßt das Murmeltier), haben Dan und ich uns einem weiteren Bourbon gewidmet. Lang lebe der amerikanische (Alp-)Traum: „Cheers, auf die Freiheit und so.“

Dem Knob Creek Small Batch. Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach Varianz für unser perfektes Old Fashioned Experiment, doch schürften wir Gold beim Durchsieben der Massen an abartigen Schlammschichten.

Knob Creek Small Batch

Geruch:

Es ist verwunderlich, dass man beim Entkorken der Flasche keine Pferde wiehern hört. Alter, strohiger Stall. Klar, man riecht den starken Alkohol, immerhin kommt dieser Dalton Bruder mit 50% Stärke daher, man erkennt die karamellige, vanillige Bourbongeruchseigenart, die verführerische Maissüße und doch liegt den bekannten Charakteristika noch etwas Anderes zu Grunde. Eine umfassende Cremigkeit. Erwärmtes Eichenholz. Stall. Zugegeben, wer nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, sich für Reitsport interessiert oder bevorzugt Pferdemädchen abschleppt, verbindet mit derartigen Assoziationen selbstverständlich lediglich Pferdescheiße, in Pisse getränktes Stroh, das Summen der Bremsen und den Geruch von verbranntem Horn, wenn der Hufschmied mal wieder heißes Eisen in die Hufe der Leistungsdressur- und Springpferde ballert. Allein für den Geruch muss man diesen Bourbon lieben.

Geschmack:

Der Knob Creek Small Batch schmeckt in seinen ersten Zügen verdammt kräftig und konzentriert, bevor die ersten Tannenholznuancen, der bekannte karamellisierte Maisgeschmack einsetzt. Ehe man sich verwundert fragen kann, wie 50%tiger Schnaps so lecker schmecken kann, setzt die bereits erschnüffelte milde Cremigkeit ein, die von einer kirschsäureartigen Süße untermalt wird. Klingt natürlich erst einmal wieder gewollt geschwollen dahergelabert, ist aber so. Das Geschmacksprofil des Knob Creek ist einfach Bourbon, wie er sein soll. Ich gehe sogar so weit zu sagen, Bourbon, wie ich ihn mir immer erträumte.

Nachgeschmack:

Im Anschluss an den Genuss des primären Geschmacks erfolgt der lange, süße und doch leicht bittere Abgang. Er brennt noch einmal scharf im Rachen und hinterlässt das Gefühl, man hätte auf Stroh gekaut. 

Fazit:

Persönlich wusste ich bereits nach meinem ersten Schluck Knob Creek Small Batch, dass ich, Stand jetzt, meinen Lieblingsbourbon gefunden hatte. Unverschämt lecker, preistechnisch erschwingbar (30 Euro) und so, wie ich mir stets einen amerikanischen Whiskey vorstellte. Hart, unerbittlich und doch romantisch. Wie die untergehende Abendsonne über einem frisch ausgehobenen Schoschonen-Massengrab. Wer sich noch an alte Groschenromane über Cowboys erinnern kann, wessen erster Western nicht Django Unchained war und wer einen ausdrucksstarken, leckeren und kräftigen Bourbon sucht, sollte den Knob Creek Small Batch unbedingt ausprobieren und eine unvergessliche Reise in den Westen antreten. Yeeeehaa!

Grüße von Dennis & Dan

Islay Scotch Whisky

Big Peat – Mashup Islay

November 22, 2020
Whiskey-Review: Big Peat

Warum steht eine Devil Jin Actionfigur neben dem Big Peat?
Weil kein Stroh vorhanden war und warum eigentlich nicht? Der Big fucking Peat macht schließlich, was er will, wir also auch. Meine Fresse, wie Tom Cullen sagen würde.
Wer durch diese Aneinanderreihung dreier popkultureller Referenzen bereits verwirrt wurde, dem sei, Spoilerwarnung, gesagt: Das wird im Folgenden nicht unbedingt besser. Skipt am besten zu den Tasting Notes, das führt doch sonst zu nix, nech.
Aber ihr, in den neunzigern sozialisierten Menschen, ihr die noch wisst, dass man seine PS1 damals umbauen lassen, Spiele brennen konnte und Eddie Gordo selbst in den Händen des größten Noobs zum ultimativen Angstgegner mutierte: Ihr wisst, was Crossover meistens für ein uninspirierter, unkreativer, geistiger Dünnschiss sind.


Aliens vs. Predator, Freddy vs. Jason (hab deine Naaase), Mortal Kombat vs. DC, Star Wars und Identitätspolitik. Was in der Theorie des Öfteren so faszinierend klingt, nämlich zwei beliebte und große Franchise miteinander zu fusionieren, erweist sich in der Praxis oft als schlecht zusammengeschustertes Experiment à la Frankensteins Monster.
Die Whiskywelt scheint ebenfalls von derlei blasphemischen Praktiken betroffen, wie sonst kann man den Big Peat, die Chimäre aus mehreren Islays, erklären?

Big Peat

Prangt da auf den ersten Blick erstmal Hagrids unehelicher Sohn auf der Pulle. Schwarze, vom Winde verwehte Haare, eine aufgedunsene Säuferknollennase und vor Genuss, Schreck oder was auch immer, zusammengekniffene Augen.
Ja Bruder Realtalk, bei dem senfgelben Pulli würd ich auch die Augen verschließen, besser isses.

Geruch:


Ja heiliges iranisches Uranlabor! Da kommt mal was hoch. Rauch, Fruchtnoten, ein vehementer Zitrusglasreinigerduft, Alk und Torf. Huihuiui. Der scharfe Geruch des Big Peat, der irgendwo zwischen schottischer Küste und Iron Islands liegt, schießt intensiv in den Kopf, als hätte man sein Sushi mit zu viel Wasabi bestrichen.

Geschmack:


Ardbeg, Caol Ila, Bowmore, Port Ellen, Skellige. Nein liebe Leser, das waren bis auf einen Zusatz keine Ortsnamen aus der Feder des Fantasyautoren Andrzej Sapkowski, sondern die vier Whiskys, aus denen der Big Peat in alter Alchemistentradition zusammengemixt wurde. Richtig, das Super Smash Brothers der Islays schickt vier hochkarätige Kämpfer in den Ring, die in der Hyrule Temple Stage ordentlich abliefern.
Er schmeckt zitronig spritzig, nach nasser, matschverkrusteter Holzplanke, nach einer steinigen Küste, auf der das unberührte, giftgrüne Wildgras wuchert. Nach Torf, Meer und Rebellion.

Abgang:

Alan Harper Style bleibt der Big Peat länger als erwartet auf der Zunge und im Rachen, doch das is geil. Er trumpft noch einmal mit Torfrauch und frisch gemähtem Gras als Geschmackseindrücken auf. Letztlich wird er bitter und erdig, jedoch auf eine angenehme Art und Weise. Er schmeckt nach Leder, als ob Regen auf frischen Teer prasselt.

Fazit:


Bei der Erzdämonin Asfaloth und der Yu-Gi-Oh Fusionskarte: Was wurde hier für eine Monstrosität erschaffen? Ganz schön mutig, nonchalant vier Islay Whiskys zusammenzukippen, die, für sich allein stehend charakteristisch und komplex genug sind, und auf das Beste zu hoffen; doch zumindest nach Dans und meiner Expertise hat sich das Experiment mehr als gelohnt.
Wie aus der pessimistischen Einleitung möglicherweise herauszulesen war, bin ich eigentlich recht altmodisch, wenn es um das Vermischen zu vieler Genres geht, nicht nur weil es zu oft misslingt. Ich mag die inhärente Historie einzelner Gattungen, die in sich so komplex sind, dass eine Vermischung des Öfteren einfach zu substanzlosen Oberflächlichkeiten führt, da man eben alle Fans gleichermaßen ansprechen will und in Gefahr läuft, dass ein Teil des Publikums nichts bis wenig versteht, während es für Hardcorefans schlicht zu unterkomplex ist.

Das gleiche Prinzip kann man auf Whiskys übertragen. Bei einem Whisky gefällt mir die Geschichte der Destillerie, die Unterschiede der einzelnen Jahrgänge. Ich mag es, wenn ein Whisky Tradition und Kultur hat. Bei vier zusammengemischten Islays dachte ich, vorverurteilend wie ich bin, das kann nix werden. Nix halbes und nix Ganzes, doch das unbesonnene Urteil muss ich schleunigst revidieren.

Der Big Peat ist richtig geil und lecker. Man kann sich nicht so sehr in ihm verlieren wie zum Beispiel in einem Lagavulin 8, ja. Das Flaschenlayout sticht extrovertiert ins Auge, statt mit schlichter Eleganz zu überzeugen, ja. Aber ganz ehrlich, wen juckts? Geiler Scheiß.

Peace out, trashige Grüße
Dennis & Dan

Irish Whiskey

Green Spot – Ein Träumchen

November 12, 2020
Whiskey-Review: Green Spot

Noch ganz am Anfang unserer wilden Entdeckungsreise durch die Welt der Whiskeys, als Dan und ich in alter Tradition des Sturm und Drangs beschlossen uns diesem neuen Hobby mit Leib und Leber zu widmen, sprach er bereits über den Green Spot. Er hatte ein YouTube Video über ihn gesehen und wollte ihn unbedingt ausprobieren. 

Wie immer, wenn Dan, euphorisch wie ein Hundewelpe aus dem Tierheim, der schwanzwedelnd sein neues Zuhause, Familie und Spielzeug bewundert, mit funkelnden Augen über ein Thema referiert und naive Begeisterungsfähigkeit aus jeder neuen Satzsalbe schwappt, begegnete ich dem Gesagten mit einer Portion kritischer Skepsis. Fruchtig soll er sein, aha. Nach karibischen Früchten schmecken. Gut, wenn es die Herrschaften auf YouTube denn so sagen, denen es ja natürlich nicht um Clicks und profitable Selbstdarstellung geht, dann ist es bestimmt auch so.

Ganz im Ernst: Bei all den inflationären, mit beschönigenden Adjektiven ausgeschmückten Geschmacksbeschreibungen und Lobpreisungen bin ich lieber vorsichtig, bevor ich mir nicht nur für 40 Euro aufwärts eine Flasche (vergessen wir nicht, was es ist) hochprozentigen Schnaps kaufe und mich schlussendlich auch noch selbst bescheißen muss, weil die Marketingabteilung und Influencer zwar hervorragende Werbearbeit geleistet haben, mein hochprozentiger Schnaps aber nicht nach Früchten, sondern, hmm, würgereizauslösendem Schnaps schmeckt.

Zum Glück ist nicht nur nicht (doppelte Verneinung ihr Leselegastheniker) alles Gold was glänzt, sondern es ragen tatsächlich wahre Kunstwerke aus den staubigen Wüsten des Einheitsbreis heraus. Der Green Spot ist, vorweggenommen, definitiv eines.

Der Green Spot

Das vielleicht charakteristischste Merkmal des Green Spots ist der namensgebende grüne Punkt, der lässig auf dem Korken der schönen Flasche thront und dem Whiskey einen Hauch einer Kunst Staffelei verleiht. (An dieser Stelle ignoriere ich, dass die Farbpunkte ursprünglich schlicht und funktional die verschiedenen Jahrgänge der Fässer markierten) Das gesamte Design der Flasche wirkt künstlerisch, offen und einladend. Zwar nicht so schön wie sein Pot Still Bruder Redbreast, doch immerhin. 7 von 10 Stylepunkten.

Geruch: 

Welch Erleichterung, man riecht auf Anhieb die gehobene Qualität dieses Whiskeys: Frische, fruchtige Noten verbinden sich mit alkoholischen Phenolen. Am deutlichsten erahnt man Apfel-, Birnen-, Honigmelonenaromen und tatsächlich einen Hauch Kokosnuss. Handelt es sich hierbei um eine priminginduzierte Assoziation? Wer weiß.

Geschmack:

Lecker. Der Green Spot schmeckt mild, erfrischend, klar und variantenreich. Der Fruchteindruck erinnert am ähnlichsten Apfel und Cidrenoten, so dass der Eindruck entsteht, gutbürgerlicher, wohlerzogener Apfelsaft oder Birnencidre hätten eine folgenreiche Liaison mit rebellischem Alkohol gehabt. Die Geschichte von Susi und Strolch, neuinterpretiert. Allen Geschmackskompositionen liegt des Weiteren ein holziges Aroma und eine dezente Schärfe zu Grunde, die den Gesamtgeschmack vollmundig komplementieren und abrunden.

Abgang:

Der Green Spot verklingt langsam, so dass seine Aromen noch lange nachhallen, wobei insbesondere die Alkoholnote und Holz dominieren.

Fazit:

Der Green Spot symbolisiert ohne Frage authentische Qualität, die es nicht nötig hat durch übertriebenes Marketing in unrealistische Stratosphären gelobt zu werden. Er schmeckt klar, abgerundet, vielfältig und lecker. Allein wie die fruchtigen Noten mit der zu Grunde liegenden Schärfe und Holznoten fusionieren, sollte jedem Whiskeyliebhaber zum Anlass geben, diesen Pot Still einmal zu testen und zu verkostet. Selbstverständlich richtet sich der Green Spot aufgrund seines Geschmacksprofils vorwiegend an Liebhaber irischer Whiskeys und doch bewegt er mich gerade dazu, einen Appell an all meine Mitmenschen zu richten: PROBIERT IHN! LECKER! Wir brauchen mehr Inklusion. Zwar bin ich kein überambitionierter, auf Provisionsbasis arbeitender, skrupelloser Versicherungsvertreter, doch den Green Spot würde ich sogar meiner Oma andrehen. Oder eurer Oma. Oder eurem Hamster.

Beste Grüße, mögen euch stets alle Coronaviren verfehlen

Euer Dennis & Dan

Highland Scotch Whisky

The Ardmore Legacy – Das Schottentutorial

November 2, 2020
Whiskey-Review: Ardmore Legacy

Oh welch köstlicher Endorphinschub! Endlich das neue, lang ersehnte Spiel gekauft, auf das man schon so sehnsüchtig gewartet oder um 70% reduziert im Steamshop als ultra Schnäppchen geschossen hat. Begierig taxiert man den Downloadladebalken, bis man ENDLICH in eine neue, unverbrauchte Welt eintauchen kann. Eine Welt voller immersiver Abenteuer, glaubwürdiger Charaktere, unvergesslicher Erfolgsmomente und cineastischer Inszenierungen. Doch bevor man mittels seines virtuellen Avatars, XxXSyrianRefuG69XxX, die programmierten Weiten erforschen kann, erwartet uns des Öfteren eine kurze Einführung der elementaren Mechaniken, in Form eines Tutorials.

In diesem geschützten und limitierten Rahmen werden wir, mal mehr mal weniger, Grüße gehen raus an die FromSoftware Entwickler, an die Hand genommen und Schritt für Schritt an unterschiedliche Fähigkeiten, Tastenbelegungen, Auswirkungen des Dialogsystems und viele weitere Basismechanismen herangeführt. Es ist wie das erste Mischbier, dass man heimlich als Jugendlicher auf dem verlassenen Sportplatz einer Grundschule trinkt und Erfahrungen sammelt, bis man als erfahrener Level 80 Kampftrinker ganze Bataillone Tequilapinnchen pur vernichtet.

In den meisten Tutorials wird uns zu diesem Zweck ein Mentor an die Seite gestellt, der Weisheit und Erfahrung verkörpert.

Geralt von Riva hat Vesemir, auf Lebertransplantationen Angewiesene Alkopops, Patienten mit Persönlichkeitsstörungen eine dysfunktionale Kindheit und schottische Whiskys den Ardmore Legacy. 

The Ardmore Legacy

Geruch: 

Der Ardmore hat einen angenehmen, frischen Geruch. Torfnoten verbinden sich mit salzigen Elementen, die von einem spritzigen Zitronenaroma und Weidegras abgerundet werde. Ein verregneter Tag am Nordseestrand lässt grüßen, herrlich!

Geschmack:

Gebirgslavinengleich, bei welcher erst leiser Schnee rieselt bis die Massen die Abhänge hinunterkrachen, beginnen die ersten Geschmackseindrücke des Ardmore Legacy mit einer sanften Milde, bis sich eine leichte Schärfe und intensivere Kompositionen dieses Whiskys abbilden, die nach Löwensenf oder Meerrettich schmecken. Je länger er im Mund verbleibt, desto erdiger, dezent rauchiger und minimal Süßer schmeckt er. 

Abgang:

Im Abgang behält der Ardmore Legacy seine Schärfe bei, zu welcher sich noch ein modriges, grabeserdenähnlicher, Geschmack gesellt. Yummi!

Fazit: 

Für seinen Preis ist der Ardmore Legacy ein wirklich guter und leckerer Whiskey und richtet sich, zumindest nach Dans und meiner Interpretation, an all diejenigen, die sich für den Geschmack von schottischen Whiskys interessieren und für wenig Geld, einen qualitativen Eindruck erhalten wollen. Er fungiert als Tutorial für den rauchigen, torfigen und zugleich spritzigen Geschmack, der so inhärent mit Scotch verbunden und in ihnen ausgedrückt wird. Verglichen mit den wahrhaftig charakteristischen Islays wirkt er hingegen kraftlos, einfältig und kastriert. Er ist somit das Base Game ohne DLCs, Dark Souls 3 ohne the Ringed City, ein Jack of all Trades.

Gut, lecker, aber da geht einfach mehr. Ne Menge mehr. Der Ardmore Legacy ist, trotz marketingtechnischer Framingarbeit, keine Legende, sondern höchstens ein Nachahmer der wahren OGs des schottischen Whisky Games. Als Rat von unserer Seite und auf die Gefahr hin uns zu wiederholen: Probiert den Ardmore Legacy wenn ihr überzeugte Bourbon oder Irish Whiskey Trinker seid und einen groben und recht unverfälschten Eindruck in die Welt der Scotchs haben wollt. Erwartet jedoch nicht mehr. Oder: Lasst euch ein paar Eier wachsen und ordert direkt nen Islay. Das Leben ist beschissen kurz.

Beste Grüße ihr Pisser,

Euer Dennis & Dan

Irish Whiskey

Jameson Triple Triple – Leider Geil

Oktober 18, 2020
Whiskey-Review: Jameson Triple Triple

Bürger in modernen, progressiven und pluralistischen westlichen Gesellschaften tendieren zu Zeiten zu einer fast schon pedantischen Klagekultur. Es wird gemeckert, geklagt, empört der Finger gehoben. #cancelculture 

Man(n) kennt es. Als junger Heranwachsender, sozialisiert durch den herausragenden Comedian Kaya Yaner, dachte ich immer, dies sei eine typisch deutsche Eigenschaft. Der immerzu unzufriedene Helmut, der sich im All-You-Can-Eat Malleurlaub lautstark über die unterbezahlte Bedienung echauffiert, weil diese ihm sein viertes Bier nicht schnell genug zapft, die aufgesetzte Kellnerinnenrolle nur bedingt Golden Globe-würdig spielt, weil sie nach zwei Doppelschichten und vier Stunden Schlaf nur noch mit teuren Schmerzmitteln zugepumpt die Schicht beenden kann und, der Anmaßung Überdruss, fehlerhafte Artikel benutzt. Die deutsche Überlegenheit hat nun einmal seinen Preis, es geht halt immer besser und welcher Lehrer, wenn nicht die permanente Unzufriedenheit, könnte dies besser vermitteln? 

Das generalisierende humoristische Vorurteil scheint jedoch in weit radikalerer Form Einzug in alle erdenklichen Lebenslagen und Gesellschaftsbereiche gefunden zu haben. Mit Bestürzung wachen wir an einem Herbstmorgen geborgen in der Wärme unserer Daunenfederdecke auf, während draußen kalter Regen an die Fensterscheibe trommelt und besehen die Frau neben uns, die friedlich schlummernd ihr Kissen umklammert. Die sieht aber gerade nicht aus wie die Top 3 unserer Instahoes, denen wir mit unserem Fakeaccount für einsame Nächte folgen. Unser illusorisches Streben nach Selbstoptimierung, Superlativen und Perfektionismus beginnt jedoch erst. Wir wollen den Welthunger lösen, das Klima retten, Kriege bekämpfen, Rassismus auslöschen. Alles erstrebenswerte Ideen und Ideale, denen man als aufgeklärter, moralischer Mensch zustimmen MUSS.

Es ist jedoch ein Spannungsfeld, welches mittlerweile von hyperventilierenden, kreischenden Minderheiten bestimmt wird, die in ihren absolutistischen Weltansichten zu keinem Diskurs mehr bereit sind. In derart ideologisch aufgeladenen Filterblasen der verhärteten Fronten werden echte Diskussionen, die noch das altbackene Ziel der gegenseitigen Verständigung, Verständnis durch Perspektivübernahme und konstruktiven Lösungsansätzen haben, zu einem Ballett in einem Minenfeld. Einmal falsch ausgedrückt, einmal missverstanden oder einmal der moralisch hochstilisierten Mehrheitsinstanz widersprochen und zack, stigmatisiert auf Lebenszeit. In diesem Falle der sozialen Ächtung hilft nur eins. Unendliche Reue beteuern und sich ein Leben lang rechtfertigen. Es gibt jedoch noch einen anderen Ausweg. Die postmoderne Philosophie des Glücks. Einfach mal einen gepflegten Fick draufgeben. Easy win, GG. Wie der Jameson Triple Triple. Ein Whiskey, fast schon zu frech lecker für seine Unterkomplexität aber gut, leider geil.

Der Jameson Triple Triple

Es beginnt ja bereits bei der minimalistischen Namensgebung. Triple Triple, weil dreifach destilliert, in drei verschiedenen Fässern (Sherry, Bourbon, Málaga) gereift. Nicht der Kreativität fantasievollster Erguss, dafür aufs Wesentliche beschränkt. Black Noir lässt grüßen. Die Banderole wirkt etwas überladen und ähnelt künstlerisch eher seinem Standardbruder, als dem stilistisch seriöseren Black Barrel

Geruch:

Die ersten und dominantesten Geruchsnoten des Tripe Triple sind fruchtig und süß. Trotz dezenter Phenolanklängen und charakteristischem Getreide riecht man im Anschluss, oder je nachdem wie man das Glas hält, Karamell, Zimt und Trockenaprikosen. Er riecht lieblich, angenehm und frisch.

Geschmack:

Wer einmal Jameson Whiskey getrunken hat, wird den charakteristischen Geschmack unter Tausenden erkennen. So auch bei dem Triple Triple. Die extreme, karamellisierte Milde, Anklänge der dreifachen Holzreifung, die dezente Bitterkeit und der frische Getreidegeschmack, der an Weißmehltoast erinnert. Der Triple Triple schmeckt in jeder seiner minimalistischen Geschmacksfacetten abgerundet und klar.

Abgang:

Der Abgang des Jameson Triple Tripe ist verhalten bitter, süß und schnell. Er verschwindet wie ein höflicher One-Night-Stand. Er bleibt nicht zu lange, hinterlässt einen milden, angenehmen Eindruck und ist, ohne viel Gerede, einfach weg, so dass einzig die Erinnerung an eine schöne Zeit verbleibt.

Fazit:

Nun, der Tripe Triple ist kein Whiskey, dem man romantische Balladen widmet, ein Sonett schreibt oder in anderweitiger lyrischer Form verewigt. Man heiratet ja auch nicht seine Tinder F+. Er ist ein guter, anständiger Whiskey, den man ohne viel Hintergedanken trinken und genießen kann. Pur, on the rocks oder im Irish Coffee. Er ist schlicht und ergreifend: lecker. Der Jameson Triple Triple erinnert uns daran, dass wir, bei aller Perfektion und Idealismus, zu Zeiten einfach innehalten und dankbar sein müssen. Dankbar für die Mittelmäßigkeit. Es muss nicht immer das fünf Sterne Hotel mit eigenem Jacuzzi auf der Dachterrasse sein. Die eigene Badewanne, eine Kerze und gute Musik an einem Freitagabend tun es auch. Es geht immer mehr. Immer besser. Und wenn wir uns anstrengen, den Glauben nicht verlieren und daran arbeiten, dann können die meisten unserer Wunschvorstellungen realisiert werden.

Wer jedoch ausschließlich ferne Träume betrauert, muss aufpassen den Charme der Gegenwart nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn ihr also wieder einmal notgeil eine Sieben geswiped habt, die sich in der Realität als, mit beiden Augen zugedrückt, 6,5 herausstellt, dann, mein Gott, zieht durch. Macht ihr noch einen Kaffee, vielleicht nicht den aus dem Vollautomaten, sondern aus einer Instantpackung, aber seid ein Gentleman, seid gastfreundlich.

Einem geschenkten Gaul, schaut man nichts ins Maul, oder nicht? Seid mal nicht so deutsch.

Beste Grüße Krieger,

Dennis und Dan

American Whiskey Bourbon

Elijah Craig Small Batch – Here we go again

August 27, 2020
Whiskey-Review: Elijah Craig Small Batch

I’ve been there before
And I’ll try it again
But any fool knows
That there’s no way to win

Ray Charles – Here We Go Again

Rey Charles veröffentlichte 1976 den titelgebenden Song und besang zu jazzigem Blues die Leiden eines Mannes, der in unverbesserlicher Torheit der Frau seines Herzens stets aufs Neue eine Chance gibt, obwohl er in den tiefsten Winkeln seiner Seele und Selbstachtung weiß, dass die romantische Beziehung zum Scheitern verurteilt ist. Besonders die wiederholten Antithesen aus again und one last time verdeutlichen die zeitlose Paradoxie menschlicher Emotionen, die wir doch nur allzu klar nachempfinden.

Jeder der schon einmal wahrhaftig geliebt hat weiß um den Wahnsinn, der uns befällt, wenn wir uns frisch verlieben, in welcher blendenden Intensität unser grauer Alltag erscheint. Dass strahlende Lächeln, das wir nicht mehr aus unseren Gesichtern bekommen, die einsetzende Schwerelosigkeit, das Gefühl von Unbesiegbarkeit. 

Und sollten wir nicht von Perfektion und statistisch unwahrscheinlichem Glück durchdrungen sein, so wissen wir ebenfalls um die Schattenseiten dieses instabilen Hormoncocktails. Routine, Eifersucht, Streitigkeiten, Entfremdung, Betrug. Der Nihilismus, der uns befällt, wenn unsere Beziehung nicht einvernehmlich endet, die einsetzende Panik, nie wieder einen gleichwertigen Partner zu finden, der uns einst so glücklich machte. 

Wir erleben Verlustängste biblischen Ausmaßes, geboren aus irrationaler Verzweiflung. Bevor, während und nach Beziehungen handeln und denken wir phasenweise wie wahnhafte Insassen einer geschlossenen Psychiatrie. Wieso sonst vergeben wir Seitensprünge? Betrügen? Wieso bleiben wir mit unseren Partnern zusammen, obwohl wir ganz genau wissen, dass sie uns nichts als Leid und Sorgen bereiten, uns benutzen oder gar psychisch, physisch und emotional schädigen? Weil wir an das Gute im Menschen glauben? Gemeinsames Haus und Kind besitzen? Uns an selbsterschaffene Illusionen klammern? Die Gründe sind vielfältig, komplex und höchst individuell. Doch bei aller Ehrlichkeit: Wer von sich selbst behauptet, in seiner Partnerschaft stets rational zu handeln, kann, nein muss vulkanische Gene in sich haben.

Zwar war er kein Vulkanier, doch sagt man einem ebenso intelligenten Vertreter der menschlichen Spezies folgendes Zitat zu:

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Albert Einstein

Was also hat Whiskey mit Liebe und Wahn zu tun? So einiges, wenn man mich fragt, doch heute soll es schlicht um die Bestätigung jenes vereinfachten Sachverhalts gehen: 

Schon wieder testeten wir einen Bourbon. Schon wieder dachten wir, überrascht zu werden.

Der Elijah Craig Small Batch 

Er schimmert wie geschmolzenes Karamell oder dunkler Waldhonig, der in einer simplen Glasflasche eingerahmt wird und verzichtet sowohl auf aufwendige Werbetexte, als auch Verschnörkelungen. Bourbon-Style, in dessen Kontext einzig der Inhalt hervorgehoben wird.

Geruch

Spoilerwarnung: Der Elijah Craig Small Batch riecht komplexer, als er es tatsächlich ist. Er entfaltet den typisch karamellligen Bourbongeruch, der von einer vanilligen Note bekräftigt wird. Wir erahnten beim Geruchstest ebenfalls Honig und fruchtige Aromen, die an Orangen erinnerten. Besonders auffallend roch er nach ausgebranntem Holz, dessen Geruch förmlich die anderen Aromen übertünchte. Insgesamt brannte sich dieser 47 %tige Amerikaner scharf in die Nase. Die kalifornischen Waldbrände lassen grüßen.

Geschmack

Bourbon halt, nech? Der Vollständigkeit halber sei zu erwähnen, dass er nach Karamell und Mais schmeckt. Ha, welch Überraschung! Aber ernsthafte Verzweiflung bei Seite, der Elijah Craig Small Batch schmeckt würzig, nach schwarzem Pfeffer. Man spürt die intensiven Holzaromen, die erst mild und im Anschluss scharf und bitter die Geschmacksknospen erregen. Innerhalb seiner Schärfe entwickelt er zudem einen Anflug mentholig-minziger Variation.

Abgang

Im Abgang brennt der Elijah Craig Small Batch noch ein letztes Mal sauer und bitter auf, bevor er sich mit einer süßlichen Maisnote in die ewigen Jagdgründe verabschiedet. 

Fazit

Im Anschluss an unser Tasting hatten Dan und ich eine hitzige Diskussion. Er empfand den Elijah Craig Small Batch als leckeren, distinktiven Whiskey, für mich war es wieder einmal ein klassischer Bourbon mit minimaler Geschmacksindifferenz. Der Abgang erinnerte mich sogar an Sodbrennen, kann aber auch an meinen Chili-Knoblauch Garnelen liegen, die ich am Vortag gegessen hatte. Seis drum. Der Objektivität in Ehren sei ausdrücklich zu betonen, dass der Small Batch definitiv einen Charakter besitzt, der sich in einer holzigen Würzigkeit ausdrückt und ihn von anderen Bourbons unterscheidet. Als Zielgruppe des Elijah Craigs stelle ich mir assoziativ den stereotypischen Vorstadt-Holzfäller vor, der in blauer Arbeiterjeans, rot-schwarz gestreiftem Baumwollhemd, dichtem Vollbart und Brusthaar, mit seiner schweren Axt wuchtige Baumstämme in den Wäldern Kentuckys spaltet, abends in die Kneipe seines Vertrauens einkehrt, saftige Koteletts bestellt und als Nachspeise einen Berg Waffeln verputzt. Tag ein, Tag aus. 

Wer Bourbon mag, der in eine pfeffrige, würzigere und holzige Richtung geht, wird an diesem Whiskey ebenfalls Gefallen finden. Der Elijah Craig Small Batch schmeckt nicht schlecht, ist jedoch eher geradlinig und nicht komplex wie ein Eagle Rare. Vorsicht Sakrileg: In einer Colamischung oder on the rocks macht er sich bestimmt richtig gut. Für den puren Genuss sollte man es jedoch wie bei der Partnerwahl halten: 

Nicht mit dem Erstbesten zufriedengeben und weitersuchen, bis man was Besseres gefunden hat.

Beste Grüße, möge Odin mit euch sein

Dennis & Dan

Irish Whiskey

Teeling Single Malt – Whiskey ist auch keine Lösung

August 5, 2020
Whiskey-Review: Teeling Single Malt

Wir leben in wahrlich wunderlichen Zeiten. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung, sieht man von faulen, elterlich alimentierten Studenten (stolz behaupte ich, selbst einer gewesen zu sein) und schmarotzenden Sozialhilfeempfängern ab, knechtet in vierzig Stunden Wochen seinen Dienst an der Gesellschaft ab. Ebenfalls bekannt als sie schuften sich kaputt, damit unsere verantwortungsvolle, zukunftsorientierte Regierung ihr Steuergeld an andere Staaten umverteilt, die nicht wirtschaften können und wollen.

Grüße gehen raus an die europäische Schuldenunion.

Immerhin besser als eine sozialistische Planwirtschaft, flüstert der Zyniker leise in mir, während er dank vierzehn Jahren Merkel emotional abgestumpft liest, dass der deutsche Arbeiter europaweit die höchsten Steuersätze zahlt, am wenigsten Privatvermögen besitzt und am ältesten in Rente geht. Alternativlos, versteht sich.

Zum Glück ist Armut und soziale Ungleichheit relativ, bedenkt man menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Dritte Welt Ländern, philosophiert simultan der 0815 Fabian freitags nach vierzig Stunden Kartonschubserei in seinem unterbezahlten Lageristenjob, nachdem er reduzierte, antibiotikaversetzte Billig-Lebensmittel in Billigdiscountern gekauft hat, auf seiner billig konstruierten Ikeacouch seiner Fußballmannschaft zuschaut und Qualitätsbier alà Brinkhoffs in sich reinkippt.

Zufrieden mit sich und seinem Leben. Der Habitus einer Kellerassel, gepaart mit dem Intelligenzquotienten eines Bauer-sucht-Frau-Teilnehmers. Wobei, immerhin werden die für ihre offen zur Schau gestellte Dummheit bezahlt. Die Nutten sind raffiniert, die nehmen die Kohle an, wusste schon YouTube Berühmtheit und Gegenwartsphilosoph Assi Toni.

Will man in der heutigen Zeit also strukturell bedingte, psychologische Probleme vermeiden, so helfen in der Regel genau zwei Strategien: Realitätsflucht und / oder ein IQ auf EU-Mitgliedsstaatenanzahl. Da nicht jeder von uns das Privileg besitzt, als Baby fallen gelassen worden zu sein, und die Lobotomie eine doch recht mittelalterlich anmutende Praxis darstellt, müssen wir Anderen uns auf bewährte Alternativen verlassen. Alkohol, Videospiele, Netflix und Co. Was mich zu unserem heutigen Whiskey führt. Der Teeling Single Malt. Ein Whiskey so frisch und lecker, dass man meinen könnte, er wäre zum Zwecke des Eskapismus erfunden worden.

Teeling Single Malt

Die bauchige, schwarze Flasche des Teelings mit ihrer abwechselnd beigen und goldenen Schrift und dem minimalistischen Phönix Logo vermittelt den Eindruck schlichter Eleganz und Qualität. Eine Whiskeyflasche, die man einfach in seiner Bar stehen haben will, weil sie optisch ansprechend ist.

Geruch

Der Teeling Single Malt riecht leicht zitronig, süßlich frisch und unverkennbar nach Phenolen. Nach Zitronenkuchen und Honigmelone. Herausragend ist die erfrischende Spritzigkeit, die man beim Riechen förmlich einsaugen kann.

Geschmack

UFF! Der erste und radikale Geschmackseindruck des Teeling Single Malt ist seine kühlende Frische. Obwohl Dan den Whiskey bei 29 Grad Auto-Innentemperatur in mein erhabenes Heim transportierte und wir Whiskey aus Gründen der snobistischen Selbstdarstellung niemals in einen Kühlschrank stellen würden, schmeckte er nach Kälte. Nach einer kühlen Brise, als ob man im Sommerurlaub morgens in aller Frühe am Strand entlangwandert und die klare Morgenluft einatmet. Gleichzeitig schmeckt er hell, nach Heu, Zitronengras, Getreide und Honig. Nach Smacks mit Milch. Der Teeling ist insgesamt nicht übermäßig komplex, dafür harmonieren seine minimalistischen Geschmäcker umso qualitativ hochwertiger und intensiver.

Abgang

Im Abgang trumpft der Teeling Single Malt noch einmal mit weiteren Geschmacksfacetten auf. Man schmeckt helles Holz, frisches Getreide und Honigmelone, die von einer angenehmen Schärfe begleitet werden.

Fazit

Wenn gewisse Whiskeys in ihrer Komplexität und Intensität expressionistische, farbintensive und provokante Kunstwerke wären, so wäre der Teeling Single Malt ein impressionistisches Stillleben. Vermutlich das einer Farm im Morgengrauen. Das Animal Crossing der Whiskeys. Dieser elegante Ire schmeckt schlicht lecker, angenehm und beruhigend. Er weckt Assoziationen an gekühlten Eiswein, ähnlich wie der Rozelieures. Der pure Genuss gleicht einem meditativen Ritual der Entschleunigung, statt mit Reizüberflutungen zu provozieren.

Wer nach einem simplen, milden und leckeren Whiskey sucht, der punktuell fruchtige Noten aufweist, wird mit dem Teeling Single Malt absolut fündig. Für Geschmacksexplosionsenthusiasten, Torf- und Rauchschatzsucher mit Dark Souls Affinität, wird dieser milde Feierabendwhiskey deutlich zu langweilig sein.

Dan und mir ist in diesem Kontext wichtig, zu betonen dass wir langweilig nicht abfällig meinen. In turbulenten Zeiten der Epidemien und Weltwirtschaftskrisen ist es möglicherweise gerade das Geradlinige, das Unkompliziert, das wir als soziale Wesen brauchen. Die globale Welt, das individuelle Leben scheint phasenweise so überwältigend, dass wir uns in wohlige Rückzugsorte flüchten müssen, wollen wir unsere mentale Gesundheit vor irreversiblen Schäden bewahren.

Einfach mal das Handy und alle elektronische Geräte ausmachen. Die Augen schließen, tief einatmen, innehalten, bewusst ausatmen. Lächelnd in den gelb-orangenen Abendhimmel blicken und sich vergegenwärtigen, dass selbst das postfaktische Zeitalter der Emotionen, der Twitterfilterblasen, der Kardashians und allgegenwärtiger Doppelmoral eines Tages enden wird. Ob durch Zeit oder Wasserstoffbomben. Optimistisch hoffen wir, dass sich neue Strukturen, wie ein mystischer Phönix, aus der Asche des Vergangenen erheben und die Menschheit aus ihren Fehlern lernen wird. Realistisch akzeptieren wir, dass zukünftige Generationen mit genau der gleichen Scheiße zu kämpfen haben werden, wie wir selbst.

Selig sind die Dummen, wussten schon die Simpsons. Also, meine Lieben, weckt euren inneren Homer und genießt den Moment.

Mögen all eure Feierabende von Harmonie, Gleichgültigkeit und Frieden gesegnet sein.

Beste Grüße von Dennis & Dan